Die Diva unter den Folien zähmen

Marcel Aschenbach, Continental Grafix, über die Herausforderungen von Lochfolien – und wie es auch bei -15 Grad klappt

Lochfolien gehören im Arbeitsalltag von Werbetechnikern und Fahrzeugfolierern zum Standard-Repertoire – und doch sorgen sie regelmäßig für Schweißperlen auf der Stirn. Von trüben Laminaten bis hin zu abgelösten Kanten: Das Material verzeiht wenig Fehler. Marcel Aschenbach, Area Sales Manager beim Schweizer Folien-Hersteller Continental Grafix, verrät, warum Lochfolien so speziell sind, wieso der verhasste Kantenschutz oft Pflicht ist – und wie man sich all das mit Hightech-Materialien sparen kann.

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Published: 2.7.2026 | Photo / Video: Magnific

Marcel Aschenbach, mal Hand aufs Herz: Lochfolien gelten in der Verklebung oft als kleine Divas. Warum ist die Handhabung so viel anspruchsvoller als bei einer klassischen Vollfolierung?
Marcel Aschenbach: Das liegt schlichtweg an der Physik des Materials. Auch wenn man es nicht glauben mag, Lochfolien gehören von der Handhabe her mit zu den schwierigsten Produkten. Wir haben einfach viel weniger Klebefläche als bei einer geschlossenen Folie – das Standardverhältnis liegt bei 60 Prozent bedruckbarer Fläche und 40 Prozent offener Fläche für die Durchsicht. Dazu kommt eine Todsünde, die leider immer noch passiert: die Nassverklebung.

Was passiert denn, wenn man Lochfolien nass verklebt?

Das ist der absolute Tod für das Laminat. Wenn Feuchtigkeit unter der Folie steht, drückt sich das Wasser in das hochtransparente Laminat. Das Material wird dann eher genarbt oder "blind" und die Durchsicht ist ruiniert. Also ganz wichtig: Eine Lochfolie darf niemals nass verklebt werden!

Ein weiteres Reizthema in der Werkstatt ist der Kantenschutz. Viele Folierer hassen ihn, manche lassen ihn (auf eigenes Risiko) weg. Warum pochen die Hersteller so sehr darauf?

Weil eine Lochfolie durch die gestanzten Löcher an den Rändern immer offene Kanten hat. Wir geben vor, dass beim Verkleben – egal ob am Auto oder Schaufenster – immer ein Abstand von 5 Millimetern zum Scheibenrand oder zum Gummi eingehalten werden muss. Klebt man bis auf den Gummi, hält die Folie nicht. Durch den Abstand kann das Wasser ablaufen. Der Kantenschutz, oft ein etwa 12 Millimeter breiter Streifen Laminat, versiegelt dann genau den Übergang von der Folie zur Scheibe, damit kein Wasser in die offenen Löcher laufen kann. Fehlt dieser Schutz und Wasser dringt ein, ist die Reklamation durch Ablösungen meist vorprogrammiert.

Es gibt aber mittlerweile eine Neuentwicklung, die genau diese Regeln aushebelt: Die panoRama Innova Ice. Was hat es damit auf sich?

Die panoRama Innova Ice ist eine echte Problemlöserin für den Alltag. Sie hat einen speziellen Hightech-Kleber, der es ermöglicht, die Folie bei bis zu -15 Grad Celsius zu verkleben. Gerade im Winter oder in Skigebieten ist das Gold wert. Und das Beste: Wir haben diese Folie offiziell ohne Kantenschutz freigegeben.

Kleben ohne Fluchen

Der Praxis-Guide für Lochfolien

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Hitzeschild und Werbefläche

Keine Akklimatisierung der Fahrzeuge, kein Kantenschutz? Das klingt nach einer echten Zeitersparnis.

Genau das ist der Punkt. Normalerweise muss ein Fahrzeug im Winter erst lange in der Halle stehen, um auf Temperatur zu kommen. Nach dem Bekleben muss es wieder stehen, damit der Kleber anzieht. Mit der panoRama Innova Ice fährt das kalte Auto rein, wird beklebt und kann sofort wieder raus in den Straßenverkehr. In der eingesparten Zeit kann der Werbetechniker schon das nächste Projekt in die Halle fahren.

Aber der Hightech-Kleber hat sicher seinen Preis. Rechnet sich das für Dienstleister?

Im Einkaufskarton kostet die Folie etwa drei Euro mehr pro Quadratmeter. Wenn man zehn Meter Folie verarbeitet, sind das rund 50 Euro Materialmehrwert. Aber: Das Kantenschutzband, das ja auch etwas kostet, fällt komplett weg, genauso wie die sehr kleinteilige "Fummelarbeit", diesen Schutz an Konturen aufzubringen. Kaufmännisch betrachtet ist die Folie im Gesamtprozess durch die Zeitersparnis oft sogar günstiger. Und obwohl der Kleber so stark ist, lässt sich die Folie nach ihrer Haltbarkeit von drei bis fünf Jahren rückstandslos entfernen.

Kommen wir zur Optik. Oft wünscht der Kunde filigrane Schriften oder Logos auf dem Fenster, die bei den klassischen 1,5-Millimeter-Löchern "zerfressen" aussehen. Welche Möglichkeiten gibt es da?

Wenn ein Kunde ein sehr filigranes Druckbild fordert, empfehle ich die PanoRama Micron. Hier liegt der Lochdurchmesser bei feinen 1,05 Millimetern statt 1,5 Millimetern. Das Verhältnis von 60/40 für eine gute Durchsicht bleibt erhalten, aber kleine Texte und Details im Druckbild sind extrem scharf zu erkennen. Seit kurzem besitzt die PanoRama Micron sogar die Allgemeine Bauartgenehmigung (ABG) und darf damit nicht nur auf Schaufenstern, sondern auch regulär im Straßenverkehr eingesetzt werden.

Kommen wir von Fahrzeugen zu Gebäuden. Eine Herausforderung bei der Verklebung von großen Fensterflächen, wo das Branding über eine Folierung gleichzeitig als Sichtschutz dienen soll: der "Umkehreffekt" am Abend. Im Fitnessstudio oder der Bank brennt das Licht, draußen ist es dunkel – und plötzlich kann von außen jeder durch die Lochfolie in den Raum schauen.

Ein klassisches Problem! Dafür gibt es die panoRama Two Way Vision. Interessanterweise ist das keine klassische Lochfolie, sondern ein transparentes Material mit einem 70-Prozentigen Weißanteil und weißen Punkten. Abends wirkt sie von außen fast wie ein Backlit-Material oder Leuchtkasten. Dort, wo das Motiv gedruckt wurde, wird die Durchsicht von außen blockiert – selbst wenn es drinnen hell ist. So bleibt die Privatsphäre der Kunden gewahrt und die Werbebotschaft strahlt umso heller.

Nicht nur Sichtschutz, auch Wärmeschutz wird zunehmend ein Thema. Die Sommer werden spürbar heißer, und viele Kunden im Einzelhandel fragen gezielt nach Sonnenschutz für ihre Schaufenster. Muss man sich da heutzutage zwischen Klimakomfort und Schaufensterwerbung entscheiden?

Nein, zum Glück nicht mehr. Das ist ein Thema, das gerade in Fußgängerzonen immer wichtiger wird. Dafür haben wir die PanoRama Silver im Sortiment, eine silberne Lochfolie mit einem Lochverhältnis von 80/20. Das bedeutet: Wir haben 80 Prozenxt edle Silberfläche und 20 Prozent offene Fläche für die Durchsicht. Wir haben das Material auf seine Sonnenschutzeigenschaften testen lassen, und die Werte stehen einer klassischen, reinen Sonnenschutzfolie kaum nach. Das Geniale daran ist, dass sie von außen super elegant aussieht und ganz regulär bedruckt werden kann. Man bietet dem Kunden also einen echten Hitzeschild, ohne dass er auf seine wertvolle Werbefläche auf der Scheibe verzichten muss.

Lochfolien im Webinar

Wenn du tiefer in das Thema einsteigen willst: Die IGEPA group hat dazu ein Webseminar mit dem Titel „Lochfolien im Einsatz – Möglichkeiten, Anwendungen und Verarbeitungstipps aus der Praxis“ aufgezeichnet. Ebenfalls mit Marcel Aschenbach.

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Marcel Aschenbach (LinkedIn) ist seit 2019 Area Sales Manager beim Schweizer Folien-Hersteller Continental Grafix. Davor war er neun Jahre lang für die IGEPA group im Außendienst für den Bereich Siebdruck und Werbetechnik in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordbayern und Hessen unterwegs.