Digital Signage: mehr als ein Bildschirm an der Wand
Warum digitale Kommunikation und Print zusammengehören – und wie euch der Einstieg gelingt
Digital Signage ist überall: am Point of Sale, in Empfangsbereichen, als Wegeleitsystem oder digitales schwarzes Brett. Trotzdem zögern viele Werbetechnik-Unternehmen beim Einstieg – aus Unsicherheit über Technik, Software oder Geschäftsmodelle. Dabei bringt ihr die Grundlagen meist längst mit!

Published: 30.8.26 | Video: PrintScreenMedia (YT-Video), Bilder: KI-generiert, Magnific
Joachim Holtz, Geschäftsbereichsleiter Digital Signage bei PrintScreenMedia, einem Mitgliedsunternehmen der IGEPA group und Experte für digitale Informationssysteme, erklärte in einem WebSeminar der IGEPA-Akademie, wie Digital Signage funktioniert. Er zeigt, wo es sinnvoll zum Einsatz kommt und warum es perfekt zur Werbetechnik passt. Sein Fazit: Digital Signage ersetzt Print nicht, sondern ergänzt es – wer beide Welten beherrscht, verschafft sich einen klaren Wettbewerbsvorteil.
Digital what?
Eine kurze Standortbestimmung aus dem WebSeminar zeigt: Nur ein kleiner Teil der Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhält regelmäßig Anfragen zu Digital Signage. Dabei ist der Bedarf groß! Dennoch ist das Thema bei vielen Werbetechnik-Firmen noch nicht im Dienstleistungsportfolio angekommen. Genau darin liegt die Chance: Wer sich jetzt Kompetenz aufbaut und das Thema aktiv besetzt, erschließt ein attraktives Geschäftsfeld – und verschafft sich einen echten Vorsprung im Wettbewerb.

Was genau ist Digital Signage?
Eine einfache Arbeitsdefinition lautet: Digital Signage ist digitale, steuerbare Kommunikation im Raum oder auf der Fläche. „Steuerbar“ heißt: veränderbar, jederzeit an die jeweilige Situation anpassbar. Und es geht um deutlich mehr als reine Werbung.
Joachim Holtz nennt sechs zentrale Einsatzfelder:
• Werbung – Aktionen, Angebote, Kampagnen
• Information – Preise, Neuigkeiten, aktuelle Inhalte
• Orientierung – Wegeleitsysteme, Raumbelegung
• Service – Besucherinfos, Selbstbedienung, Entlastung des Personals
• Interne Kommunikation – digitales schwarzes Brett, Mitarbeiterinfos
• Entertainment – Bewegtbild, das Aufmerksamkeit bindet
Für euch heißt das: Ein Digital-Signage-Auftrag ist nicht automatisch ein Monitor, auf dem Werbung abgespielt werden soll . Oft geht es um Orientierung oder Service – genau da liegen Projekte, die Print gar nicht oder nur sehr eingeschränkt abdecken kann.
Ein gutes Beispiel ist das digitale Menu Board in der Gastronomie: Es lässt sich je nach Tageszeit, Wetter oder Lagerbestand anpassen – ein Aufwand, der mit gedruckten Tafeln kaum leistbar wäre.
Entscheidend ist dabei ein Satz, den ihr euch merken solltet: Der Screen allein ist keine Lösung. Er ist nur die sichtbare Ausgabefläche. Genau genommen ist keiner der einzelnen Bausteine für sich die Lösung – erst das Zusammenspiel von Hardware (Screen, Player), Software (Content-Management-System) und Betreuung (Inhaltspflege, Service) macht daraus ein funktionierendes System. Diese Bausteine müssen passend zur Aufgabe, zum Standort und zum späteren Betrieb geplant werden.

Warum Digital Signage zur Werbetechnik passt
Ihr bringt viele Kompetenzen schon mit: Gestaltung, Materialverständnis, Kenntnisse über Corporate Design und die Fähigkeit, Kommunikation im Raum umzusetzen. Digital Signage ergänzt euer Portfolio um Aktualität, Bewegung und zentrale Steuerbarkeit.
Ein konkretes Beispiel: Ein Schaufenster gestaltet ihr weiterhin mit Folierung, 3D-Elementen und Naturmaterialien – ergänzt durch einen integrierten Screen, der wechselnde Aktionen zeigt und mit einem Call-to-Action ins Geschäft lockt. Die bauliche Integration, die Verkabelung und die Montage entsprechen dabei weitgehend dem, was ihr ohnehin täglich leistet.
Den richtigen Standort wählen
Ein Punkt, der über Erfolg oder Misserfolg entscheidet: Hängt den Screen nicht dorthin, wo gerade Platz ist, sondern dorthin, wo eure Zielgruppe tatsächlich vorbeikommt. Ein Bildschirm am falschen Kontaktpunkt bringt keine Wirkung – egal wie gut der Inhalt ist. Überlegt also gemeinsam mit dem Kunden zuerst: Wer soll was, wann und wo sehen? Erst daraus ergibt sich der Standort – und danach die Technik.
Der typische Einstieg: klein starten, groß werden
Die meisten Digital-Signage-Projekte beginnen überschaubar: ein einzelner Monitor im Empfangsbereich oder eine Stele am Eingang. Joachim Holtz warnt aber davor, beim reinen „Bildschirm-an-die-Wand-Geschäft“ stehenzubleiben. Spätestens wenn Kunden mehrere Standorte bespielen oder Inhalte regelmäßig aktualisieren wollen, wird eine professionelle Lösung unverzichtbar – und damit eine Digital-Signage-Software.
Diese cloudbasierten Content-Management-Systeme (CMS) sind laut Joachim Holtz keine IT-Hürde mehr: „Wir können jemanden, der wenig ambitioniert ist, in zwei bis drei Stunden so weit bringen, dass er ein mittelgroßes System administrieren kann.“ Die Software erlaubt zeitgesteuerte Content-Ausspielung, zentrale Verwaltung mehrerer Standorte und sogar Remote-Wartung. Seht sie deshalb nicht als Kostenfaktor, sondern als Hebel – um Aktualität auf die Systeme zu bringen, zu skalieren, zu betreuen und Dienstleistung zu erbringen – und somit abrechenbar anzubieten.

Digital Signage: drei typische Einsatzbereiche
Digitales Schaufenster: Wechselnde Aktionen auf einem Screen ziehen Aufmerksamkeit auf sich, während Print und 3D-Elemente für Atmosphäre sorgen. Ein Teaser wie „Jetzt kostenlos Füße vermessen lassen“ holt Passanten ins Geschäft.
Empfang und Orientierung: Hier geht es weniger um Werbung als um Service und Entlastung. Digitale Stelen zeigen Raumbelegungen, Wegeleitsysteme oder Besucherinformationen – in Echtzeit anpassbar.
POS, Event, Sportstätte: Am Point of Sale oder in Arenen geht es um Aufmerksamkeit am Kontaktpunkt. Sponsorenpräsentation, Spielankündigungen oder Catering-Angebote lassen sich flexibel und situativ ausspielen.
Content ist King – und eine Dienstleistung
Ein oft unterschätzter Punkt ist der Content. Wer nur Hardware verkauft, verschenkt Potenzial: Viele Kunden haben weder Zeit noch Know-how, ihre Inhalte selbst zu pflegen. Genau hier liegt eure Chance: Bietet redaktionelle Betreuung als Dienstleistung an – so, wie ihr im Printbereich schon Partner für Gestaltung, Produktion und Umsetzung wart.
Und noch ein nützliches Feature könnt ihr euren Kunden anbieten: Moderne Digital-Signage-Systeme lassen sich automatisieren. Ein Café kann sein System so programmieren, dass es per Temperatursensor automatisch den ausgespielten Inhalt steuert. Wird es draußen kalt, werden Heißgetränke auf dem Screen gezeigt, wird es heiß, die Eiskarte. Einzelhändler steuern Werbeinhalte je nach Tageszeit, Wetter oder Lagerbestand. Solche Funktionen sind heute Standard – genutzt werden sie aber nur, wenn die Beratung stimmt.
Fazit: die drei wichtigsten Takeaways für euren Einstieg in Digital Signage
1. Digital Signage ersetzt Werbetechnik nicht, es erweitert sie. Print bleibt die Basis, Screens ergänzen dort, wo Aktualität und Bewegung einen Mehrwert schaffen. Wer beides anbietet, bleibt im Spiel.
2. Ein Screen allein ist keine Lösung. Erst das Zusammenspiel von Hardware, Software, Content und Betreuung macht aus einem Monitor eine funktionierende Kommunikationslösung.
3. Die Aufgabe entscheidet, was ihr tut. Nicht die Technik steht am Anfang, sondern die Frage: Was soll wo, wann, für wen sichtbar werden? Wer das mit dem Kunden klärt, entwickelt Lösungen, die skalieren und langfristig Wertschöpfung schaffen.
Euer Lohn: langfristige Kundenbindung
Für euch bedeutet Digital Signage einen Perspektivwechsel: Sichtbarkeit wird nicht nur hergestellt, produziert und montiert – sie wird fortlaufend betreut und weiterentwickelt. Wer diesen Schritt geht, erweitert sein Portfolio um einen zukunftssicheren Bereich und schafft langfristige Kundenbindung.
Das WebSeminar „Digital Signage sicher einordnen. Grundlagen, Relevanz und Chancen für Werbetechnikbetriebe“ war der Auftakt der dreiteiligen Reihe Digital Signage – Vom Screen zum wirtschaftlichen Erfolg. Weitere Teile:
Teil 2: Digital Signage professionell betreiben. Software, Content und Prozesse verständlich erklärt (25. August, 9.30 Uhr)

Joachim Holtz (LinkedIn) ist seit 2016 Geschäftsbereichsleiter Digital Signage bei der 2H GmbH & Co. KG/PrintScreenMedia in München, einem Mitgliedsunternehmen der IGEPA group. Der Experte für Konzeption, Kreation und technische Umsetzung von Digital-Signage-Systemen unterstützt Unternehmen, öffentliche Einrichtungen und Projektpartner bei Digital-Signage-Lösungen für Information, Werbung und Kommunikation im Raum.